Oder, warum ich so bin wie ich bin. Ein schwieriges Thema und auch eine Überwindung für mich darüber zu schreiben. Aber vielleicht auch hilfreich für einige, die schonmal so gefühlt haben oder gerade genauso fühlen. Auch noch immer ein Tabuthema bzw. ein – wie soll ich sagen – “missbrauchtes” Thema. Burnout. Viele verwenden diesen Begriff quasi inflationär und wenn sie mal nicht ausm Bett kommen ist es gleich Burnout. Menschen, die wirklich davon betroffen sind fühlen sich durch solche Äußerungen oft verarscht. Denn wenn man wirklich ein Burnout hat und Tage, Wochen, Monate es nicht schafft aufzustehen, das Haus zu verlassen geschweige denn noch mit jemandem frei zu sprechen, weiß man einfach nicht mehr ein oder aus.

Mein Burnout hatte ich mit 24 Jahren. Auch jetzt, beim Schreiben zittere ich leicht, da es echt keine schönen oder einfachen Erinnerungen sind. Warum ich? Ja, ich bin doch immer so selbstbewusst, stark, schaffe alles und noch viel mehr, lächle immer, und gehe alles knallhart an und trotzdem kümmere ich mich noch um andere.

Plötzlich aber nicht mehr. Ein schleichender Prozess, den andere bemerkten, nur ich nicht. Keiner aber sprach mich darauf an, dass ich mich immer weniger meldete oder in der WG nicht mehr aufgeräumt habe, sich das Geschirr in der Spüle stapelte und die Wollmäuse zu Wollmonstern wurden, Sachen vergessen habe oder öfter extrem beschäftigt war und alles andere wichtiger war als meine Mitmenschen. Immer häufiger konnte ich nicht einschlafen, und morgens nicht aufstehen. War den ganzen Tag müde und niedergeschlagen. Und immer dieses Gefühl ich habe nichts geschafft… Bis es plötzlich BÄM gemacht hat. Ein ganz lauter Knall. Ein Anruf von der Firma war schlussendlich der Auslöser. Ich habe mich einfach zu müde gefühlt und habe gemerkt es geht nicht mehr. Mittags bin ich nach Hause gegangen. Dann der Anruf, ob ich am nächsten Tag wieder komme. Ich konnte es nicht beantworte. Dann mit Nachdruck: “Wir müssen das aber jetzt wissen!”

Ich konnte nicht mehr. Im Bett liegend fing ich an zu heulen und konnte nicht mehr aufhören. 3 oder 4 Stunden weinte ich aus tiefster Seele. Bis ich vollkommen verzweifelt meine Eltern angerufen habe und diese mich zu sich geholt haben. Welch ein Eingeständnis von Schwäche….Peinlichkeit erfüllte mich. Das waren damals meine Gefühle. Heute sehe ich das mit Abstand anders. Aber ich war wie gesagt mein Leben lang “DIE STARKE” – auf einmal nicht mehr zu wissen wer man ist und was aus einem geworden ist, sich selbst nicht wieder zu erkennen, ist schlimm.

Am nächsten Tag bin ich erstmal zum Arzt. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Es war mir peinlich. Aber ich konnte eh nichts sagen. Ein dicker Kloss war in meinem Hals und die Tränen schossen nur so aus mir heraus. Für die Ärztin war es ganz klar. Für mich nicht.

Minimum 3 Wochen sollte ich zu Hause bleiben. Sind die verrückt?! Mehr als 3 Tage geht nicht. Ohne mich läuft ja nix bei der Arbeit. 3 Tage waren schnell um und ich fand noch immer kein Schlaf. Also doch nochmal 3 Tage…. So ging das dann 3 Wochen lang. Als ich wieder zur Arbeit kam, hatte sich nichts verändert. Meine Arbeit lag da wie vor drei Wochen. Meine Kollegen fühlten sich von mir im Stich gelassen und das nächste Weekly Meeting stand auch vor der Tür. Mein Chef fragte ob ich das Meeting abhalten könnte. Meine Stimme blieb weg. Ich wurde hoch rot. Oh Gott was war mit mir los! Ich stotterte und meinte: ich könnte das nicht. Aus der selbstbewussten Coco war plötzlich ein Häufchen Elend geworden. Nicht nur ich sondern scheinbar auch meine Mitmenschen konnten damit nicht umgehen.

Ich fühlte mich von mir selbst und anderen alleine gelassen. Trotzdem kämpfte ich mich gefühlt Stück für Stück aus diesem Tief heraus. Ich bin ehrlich ich erinnere mich nicht an viel aus der Zeit, da man ja dazu neigt Schlechtes zu verdrängen.

Ich bin auch zum Psychologen gegangen. Unabhängig davon, dass es einer dieser Psychologen war, die mit der Brechstange versuchen alles gleich auf die Kindheit, Ex-Beziehungen und Eltern zurückführen, meinte er auch mir vorzuschlagen zu müssen, dass ich mir doch mal auf Wikipedia etwas zum Thema Burnout durchlesen sollte. Als ob ich nicht schon genug mit Gedanken gespielt habe, die ich hier nicht äußern möchte. Ich war doch schon verzweifelt… Ein Tipp: Macht das NIE NIE NIE wenn ihr in der Situation seid.

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Danach sollte ich mich entscheiden ob wir die Therapie fortsetzen. Ich habe mich dagegen entschieden. Denn, wenn dir jemand zu dem vorher Geschriebenen rät, kann er aus meiner Sicht nicht kompetent sein oder er nimmt mich und meine Situation nicht ernst. Also habe ich alleine weitergekämpft. Eine schwierige Zeit in der ich mich stark verändert habe und auch mit meinen Mitmenschen mit Sicherheit nicht immer fair umgegangen bin. Extreme Gefühlsausbrüche und emotionale Tiefs gehörten immer wieder dazu. Ich fühlte mich von niemanden verstanden.

Anfangs war ich auch nicht mehr belastbar und hatte regelmäßig Heulkrämpfe und konnte mein Alltag nicht bestreiten. Doch genauso gab es auch irgendwann wieder Hochs. Trotzdem habe ich es nie ganz überwunden. Regelmäßig donnerstags – das war damals der Tag des Auslösers – ging es mir super schlecht oder ich bin sogar wirklich krank geworden. Was die Psyche alles so kann…

Ich glaube, insgesamt habe ich 3-4 Jahr gebraucht um vollkommen aus diesem Loch raus zu kommen. Eine anstrengende Berg-Tal-Fahrt. Nach zwei Jahren endlich habe ich eingesehen, das ich Hilfe brauche um mich nicht weiter im Kreis zu drehen. Eine Freundin gab mir den Kontakt einer ganz tollen Frau. Bei ihr habe ich eine Gesprächs- und Energie-Therapie angefangen, die mir wirklich sehr geholfen hat, durch die ich aber auch einiges nochmal aufgearbeitet und sehr viel über mich selbst gelernt habe. Aber auch Freunde waren immer wieder für mich da und haben mir zugehört. Auch wenn es für sie nervig oder anstrengend war. Hier ein DANKE an meine Lieben. ich denke ihr wisst, wer hier gemeint ist, wenn ihr das lest.

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Mein Leben wurde wieder organisierter ich lernte mich besser kennen und hörte öfter in mich rein und nahm endlich Rücksicht auf mich und nicht immer nur auf andere. Mein Leben dreht sich nämlich um mein Glück und nicht das der anderen! Natürlich ist es schön liebe Menschen um sich zu haben aber sie sollten (beidseitig) eine Bereicherung sein und keine Lücken füllen.

Dann kann man ganz befreit ein gemeinsames, unabhängiges, beglückendes Leben führen. Seid dankbar für das was ihr habt.

Burnout ist in den letzten Jahren ein geflügeltes Wort in unserer Gesellschaft geworden. Ich kann nur jedem ans Herz legen, hört immer in euch rein und hört euch selbst zu! Wenn euch etwas oder jemand nicht gut tut. Ändert etwas in eurem Leben. Egal wie schwer es euch in dem Moment erscheint. Je länger ihr euch selbst Schlechtes zukommen lasst, desto schlechter wird es euch gehen und die Spirale bewegt sich weiter nach unten. Tut euch selbst etwas Gutes und nehmt euer Leben selbst in die Hand! Und wenn ihr es alleine nicht schafft, holt euch Hilfe in Form von guten Freunden oder professionellen Dritten!

Ich habe gelernt wie wichtig es ist positiv zu denken und zu sein! Aber auch ich muss das üben und praktizieren. Es ist ein stetiger Prozess. Aber ein guter!

Vielleicht erreiche ich hiermit ein paar und helfe ihnen ihre Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Es würde mich freuen, denn es fällt mir wirklich nicht leicht darüber zu schreiben. Und vielleicht erkennen sich hier einige wieder und schaffen es früher aus diesem Muster auszubrechen als ich.

Falls jemand sich austauschen möchte kann er mich gerne anschreiben. Ich weiß wieviel Überwindung das kostet…